AMATEUR TEENS – Leif Horns

AMATEUR TEENS

Filmkritik von Leif Horns, Beckmann’s Schulzeitung

Eine Bande prahlerischer Burschen, eine Clique oberflächlicher Mädels und die schüchterne Neue an der Schule. Allesamt wissen sie nicht recht wohin mit sich selbst, während sie ihre Selbstdarstellung, zwischenmenschlichen Beziehungen und Erkundung ihrer Sexualität zu bewältigen versuchen. Bei diesem Prozess erzeugen Gruppendynamiken sowie soziale Medien eine Diskrepanz zwischen dem Verhalten der Jugendlichen und ihren persönlichen Bedürfnissen, bis es schließlich dazu kommt, dass ein Mädchen während einer Party zum Gruppenverkehr genötigt wird.

Niklaus Hilbers Amateur Teens ist ein Film, bei dem ich auch jetzt noch nicht sicher bin, was ich von ihm halten soll und welche Intention dahinter steht. Das schweizerische Jugendportrait scheint sich auf den ersten Blick der Authentizität zu verschreiben, einen Versuch zu wagen, die Lieben und Leiden moderner Jugendlicher wertfrei dazustellen. Hierbei geht er in seiner Präsentation jedoch mit einer Übertreibung vor, die mich daran durchaus zweifeln macht.

Die Geschichte lässt sich schwerlich komprimieren, da eine lineare Handlung nur geringfügig vorhanden ist. Vielmehr handelt es sich um eine Ansammlung von Momentaufnahmen aus dem Leben diverser pubertierender Schüler, welche sich allesamt um Sex und Selbstdarstellung drehen. Die Art und Weise wie sie dabei agieren, sich beispielsweise lauthals über die präferierten Pornokategorien austauschen oder geradezu aggressiv oberflächlich über ihr Erscheinungsbild tratschen, wirkt häufig doch sehr überzogen, manchmal fast lächerlich Klischeehaft.

Dies mag vielleicht daran liegen, dass ich schon als Jüngling mit der Welt junger Menschen partout nichts anfangen konnte und mich demnach mittlerweile völlig von dieser entfremdet habe. Auch dürfte der Umstand, dass es sich um äußerst vornehmlich junge, eher unerfahrene Schauspieler handelt nicht unwesentlich dazu beitragen. Denn wenn die Protagonisten dadurch tatsächlich wie wirkliche Teenager aussehen, anstatt wie auf jung gemachte Mittzwanziger, so wirken sie beizeiten auch recht hölzern und plakativ, manches Mal sogar unfreiwillig komisch. Was nicht bedeuten soll, dass die Leistungen des Ensembles durchweg schlecht ausgefallen sei. Nur erzeugt der etwas unbeholfene Zustand zwischen Seriosität und Übertreibung, besonders neben den reiferen Kollegen, eine gewisse Komik. Fast könnte man meinen, es handele sich um eine Allegorie an das tatsächliche Verhalten pubertierender Teenager, die zwischen ihrer wahren und ihrer gewünschten Identität ringen, um schließlich ein charakterliches Durcheinander zu ergeben. Ich persönlich hege jedoch die Ansicht, dass es sich um suggestive Übertreibung handelt, es sich also, ähnlich Theodor Fontanes Jenny Treibel, um ein Werk der Ironie handelt. Dies ist natürlich reine Interpretation meinerseits und nur der Regisseur selbst dürfte diese meine These zu widerlegen oder bestätigen vermögen.

Der Film betitelt sich selber als „Tragödie in fünf Akten“, allerdings hat diese Einteilung in „fünf Akte“ geringe bis gar keine Präsenz. Schließlich haben wir ja auch keine wirklich strukturierte Handlung vorliegen. Zwar ließe sich noch am ehesten die Einkehr der neuen, schüchternen Mitschülerin und ihr darauf folgendes Schicksal als roter Faden festsetzen, am Ende läuft es jedoch darauf hinaus, dass hin und wieder eine römische Zahl vor einem weißen Hintergrund erscheint, welches den Beginn des nächsten „Akts“ verkündet. Was eventuell für mehr Struktur und Übersichtlichkeit dienlich sein soll wirkt hier eher Prätentiös und fehl am Platz. Diese Anekdote an das Theater unter die profanen Leben pathetischer Teenager zu streuen, als handele es sich um Goethes Faust, ist entweder ein stilistisches Missgeschick, oder aber ebenfalls ironisch gemeint, sowie Menschen in diesem Alter dazu neigen, sich selbst viel zu ernst zu nehmen und infolgedessen umso lächerlicher wirken.

Was die Kameraarbeit und visuelle Gestaltung angeht, lässt sich nicht viel sagen. Die Bilder sind von überzeugender Qualität, kühl und strukturiert. Hin und wieder begegnet man durchaus ausdrucksstarken Szenen, generell wird jedoch wenig riskiert und wenig falsch gemacht. Man hält sich eher an neutrale, schlichte Darstellung, wohl um eine nüchterne Authentizität zu wahren, verstärkt durch die Abstinenz eines Soundtracks.

Wie verbleiben wie also mit diesem ominösen Streifen? Ich selbst bin mir nach wie vor uneins. Sollte es sich tatsächlich, wie es zunächst den Anschein haben mag, um den Versuch um ein realistisches Portrait frei von Wertung und Urteil über die moderne Jugend handeln, so halte ich in für zu überzogen, beinahe plakativ. Ging es jedoch darum, diese aus einem ironischen oder gar satirischen Blickwinkel zu betrachten, sehe ich dieses Vorhaben als durchaus gelungen. Es wird dadurch selbstverständlich bei weitem kein Meisterwerk daraus, was schon alleine der spärliche künstlerische Anspruch ausschließt. Zumindest ließe sich ihm jedoch ein gewisser humoristischer Wert zurechnen. Es wäre doch wirklich amüsant, wie ich finde, hätte man all die Rezipienten, die Amateur Teens so ernst nehmen, hinters Licht geführt. Doch wahrscheinlich stehe ich damit mal wieder allein auf weiter Flur. Letztendlich bleibt dem geneigten Leser wohl nichts übrig, als sich selbst ein Bild und eigenen Gedanken zu machen.