I ACCIDENTALLY WROTE A BOOK, WILD FOXES und WHERE THE WIND COMES FROM als beste Filme beim 48. LUCAS-Filmfestival ausgezeichnet

Mit einer fei­er­li­chen Preisverleihung ende­te am Donnerstag die 48. Ausgabe des vom DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum ver­an­stal­te­ten LUCAS-Filmfestivals. I ACCIDENTALLY WROTE A BOOK, WILD FOXES und WHERE THE WIND COMES FROM erhiel­ten die Auszeichnungen als inter­na­tio­nal bes­te Langfilme für jun­ges Publikum in ihren jewei­li­gen Sektionen. HAPPYEND wur­de mit dem Preis für eine außer­ge­wöhn­li­che cine­as­ti­sche Leistung geehrt. Die Preise für die bes­ten Kurzfilme gin­gen an HAPPY THINGS im Wettbewerb »Kids« und NARMOOK im Wettbewerb »Teens«. Festivalleiterin Julia Fleißig beglück­wünsch­te die Preisträger*innen im Kino des DFF.

Wettbewerb »Kids«

Preis für den besten Kurzfilm (2.000 €)

HAPPY THINGS (EE 2024. R: Alexandra Pärn)

HAPPY THINGS – Kurzfilmprogramm 3 ©BFM | Quelle: DFF

Die zehn­jäh­ri­ge Lily sorgt sich um ihre trau­ri­ge Mutter und über­legt, wie sie sie zum Lächeln brin­gen kann. Vielleicht mit Fischstäbchen? Oder einer Schneeballschlacht? Glück steckt in den klei­nen Dingen. Zumindest da ist sich Lily sicher.

Begründung der Jury im Wettbewerb »Kids«
Wie die zehn­jäh­ri­ge Lilly sich um ihre kran­ke Mutter küm­mert, erzählt uns die­ser ein­fühl­sa­me Film vor allem über ein­drucks­vol­le Bilder und stim­mi­ge Vorgänge. Obwohl nur sehr wenig gespro­chen wird, fühlt man mit der Hauptfigur mit, wenn sie sich in den schwie­ri­gen Situationen eines müh­sa­men Alltags bewei­sen muss. In einer per­fek­ten Mischung aus Traurigkeit und Hoffnung spürt der Film dem kom­ple­xen Verhältnis zwi­schen sor­gen­der Tochter und kran­ker Mutter nach, und fin­det auch im Angesicht die­ses schwe­ren Themas die Möglichkeit von Glück im Moment.

Lobende Erwähnung für den besten Langfilm

SPACE CADET (CA 2025. R: Eric San)

SPACE CADET ©Urban Sales | Quelle: DFF

Celeste Astridia ist wie ihre Mutter Stella Astronautin. Bei ihrer ers­ten Mission soll sie unbe­kann­te Planeten erkun­den. Auf einer sol­chen Reise war Stella einst ver­schwun­den; Celeste wur­de von einer Roboter-Amme groß­ge­zo­gen, die sich wie eine Mutter um sie küm­mert – gele­gent­lich ver­an­stal­ten die bei­den klei­ne Wettbewerbe mit­ein­an­der, wer schö­ne­re Origami-Figuren fal­ten kann. Auf ihrer Reise ent­deckt Celeste neue, selt­sa­me und auch gefähr­li­che Lebewesen und fin­det sich auf den Spuren ihrer Mutter wie­der, wäh­rend daheim ihre Amme in Erinnerungen an Celestes Kindheit schwelgt und sich eine neue Beschäftigung sucht.

Begründung der Jury im Wettbewerb »Kids«
Der lie­be­voll ani­mier­te Film erzählt ohne Dialoge von der zutiefst mensch­li­chen Freundschaft zwi­schen einem Mädchen und einem Roboter. Als sich das Mädchen auf eine Reise zu den Sternen begibt und den Roboter zurück­las­sen muss, wird aus dem Film eine berüh­ren­de Geschichte über Erinnerungen und Abschiednehmen. Uns hat gefal­len, dass man mit einem Roboter mit­füh­len kann, und dass der Film eine sehr gute Mischung aus span­nen­den, trau­ri­gen und humor­vol­len Szenen bie­tet. SPACE CADET ent­fal­tet für uns eine kla­re Botschaft, die weit über den Film hin­aus­weist: dass man manch­mal auch los­las­sen muss, und dass schö­ne Erinnerungen
trotz­dem für immer blei­ben können.

Preis für den besten Langfilm (5.000 €)

Gestiftet von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
I ACCIDENTALLY WROTE A BOOK (HU/NL 2024. R: Nóra Lakos)

I ACCIDENTALLY WROTE A BOOK ©Beta Film | Quelle: DFF

Die zwölf­jäh­ri­ge Nina will Schriftstellerin wer­den – doch ihre Gute-Nacht-Geschichten kom­men bei Bruder Junior nicht beson­ders gut an. Hilfe bekommt sie von der alten Dame Lídia aus der Nachbarschaft. Aber kön­nen ihre Schreibworkshops Nina wirk­lich hel­fen? Als sich ihr Vater in die klu­ge Detti ver­liebt, führt Ninas Suche nach einer guten Geschichte sie zu ihrer eige­nen. Zum ers­ten Mal beschäf­tigt sie sich mit dem Verlust ihrer Mutter, die vor acht Jahren gestor­ben ist. Ganz neben­bei lernt sie, wie Geschichten gemacht sind – und was sie vom Leben unterscheidet. 

Begründung der Jury im Wettbewerb »Kids«
Der Film erzählt uns auf unkon­ven­tio­nel­le Weise von einem Sommer des Erwachsenwerdens. Die Hauptfigur Nina möch­te ger­ne Geschichten erzäh­len. Immer wie­der adres­siert sie uns, indem sie direkt in die Kamera spricht. Sie legt dabei nicht nur ihre Gefühle offen, son­dern spielt auch mit den Regeln des Geschichtenerzählens: Was braucht es, um span­nend oder lus­tig zu sein? Wie funk­tio­niert ein guter Konflikt? Und was macht mich tief im Herzen wirk­lich aus? Nina lernt etwas über Tod und Abschied, Neuanfang und Veränderung und eine zar­te ers­te Liebe. In Filmbildern mit viel Gespür fürs Detail ent­fal­tet sich eine warm­her­zi­ge, ein­la­den­de Geschichte, die uns nur Nina erzäh­len kann, weil es ihre eige­ne ist.

Wettbewerb »Teens«

Preis für den besten Kurzfilm (2.000 €)

NARMOOK (IR 2024. R: Ghazal Zoghiniya)

NARMOOK – Kurzfilmprogramm 4 Quelle: DFF

Nachdem sie in der Kindheit tra­di­ti­ons­be­dingt als Junge ver­klei­det wur­de, soll Malalai in der Pubertät wie­der weib­li­che Rollenklischees erfül­len. Statt nach schi­cken Stoffen und Schminke sehnt sie sich jedoch nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Begründung der Jury im Wettbewerb »Teens«
Malala möch­te selbst her­aus­fin­den, wer sie ist. Sie sehnt sich nach Freiheit und Autonomie, die damit ver­bun­den sind, ein Junge zu sein, in einer Gesellschaft, in der Geschlechterrollen streng fest­ge­legt und Rechte begrenzt sind. Der Film hin­ter­fragt Normen und eröff­net wich­ti­ge Gespräche über archai­sche Traditionen, die dem Leben von Männern mehr Wert geben als dem von Frauen. Er bringt kul­tu­rel­le Einblicke in eine Welt, in der man träumt, ein Junge zu sein und dafür gro­ße Opfer gebracht wer­den müs­sen. Die groß­ar­ti­ge Leistung der Hauptdarstellerin sowie der Kontrast zwi­schen der erdi­gen, grau­en Außenwelt und dem Schmuck, bun­ten Stoffen und Make-Up tra­gen zum gesam­ten fil­mi­schen Erlebnis bei und machen NARMOOK zu einem bemer­kens­wer­ten Kurzfilm, den man noch län­ger im Gedächtnis behält.

Preis für eine außergewöhnliche cineastische Leistung (2.000 €)

HAPPYEND (JP/US/SG 2024. R: Neo Sora)

HAPPYEND ©UCM.ONE | Quelle: DFF

Tokio in naher Zukunft: Der Premierminister des Landes baut Japan immer mehr in einen Polizeistaat um und spal­tet die Bevölkerung. Misstrauen und Hass brei­ten sich aus, wäh­rend die Freunde Ko und Yuta ihrem Schuldirektor einen harm­lo­sen Streich spie­len. Sofort ste­hen Terrorismusvorwürfe im Raum. Als Reaktion instal­liert die Schule ein Überwachungssystem. Ko und Yuta müs­sen sich ent­schei­den: Widerstand leis­ten oder den Kopf einziehen?

Begründung der Jury im Wettbewerb »Teens«
Wir waren beein­druckt von der wohl­über­leg­ten visu­el­len Komposition und dem ruhi­gen Stil, der star­ke Emotionen her­vor­ruft und eine nach­klin­gen­de Atmosphäre schafft. Die sti­lis­ti­sche Präzision, die Farbpalette und der Soundtrack fügen sich zu einem her­aus­ra­gen­den fil­mi­schen Erlebnis zusam­men. Jede Einstellung ist sorg­fäl­tig bedacht und trägt sowohl zum Erzählen der Geschichte als auch zu dem beun­ru­hi­gen­den Gefühl bei, in einer nahen dys­to­pi­schen Zukunft gefan­gen zu sein, in der jedes Individuum eine Zahl besitzt und unter stän­di­ger Überwachung redu­ziert wird. Zudem brin­gen die jun­gen Darsteller*innen und ihre Dynamik Authentizität in die Erzählung. 

Preis für den besten Langfilm (5.000 €)

WILD FOXES (BE/FR 2025. R: Valéry Carnoy)
- Deutschlandpremiere bei LUCAS — 

WILD FOXES ©The Party Film Sales | Quelle: DFF

Camille ist ein talen­tier­ter jun­ger Boxer an einem Sportinternat: Einer, der mal ein Champion wer­den kann. Doch der Druck ist hoch. Um abzu­schal­ten, streift er mit sei­nem bes­ten Freund Matteo durch die Wälder, wo sie Füchse beob­ach­ten – bis ein Unfall alles ver­än­dert. Matteo ret­tet ihn, Camille kommt glimpf­lich davon, doch etwas in ihm gerät ins Wanken. Er hat Angst und ver­liert die Lust am Training. Dass die Trainer wei­ter auf ihn set­zen, kommt bei den Mitschülern nicht gut an. Auch die Freundschaft mit Matteo beginnt zu bröckeln.

Begründung der Jury im Wettbewerb »Teens«
Wir waren augen­blick­lich fas­zi­niert von der kri­ti­schen Auseinandersetzung des Films mit Männlichkeit und der Anstrengung, sich in einem män­ner­do­mi­nier­ten Sport zu bewei­sen. Der Regisseur erzeugt gekonnt ein Spannungsfeld zwi­schen phy­si­scher Stärke, Gewalt und Verletzlichkeit und schafft eine Welt vol­ler packen­der Spannung, die durch Freundschaft, Liebe und Sensibilität aus­ge­gli­chen wird. Ebenfalls ver­mit­telt der Film ein Gefühl von Trost im Angesicht von Schmerz und Aggression und kon­zen­triert sich auf Freundschaft und den Heilungsprozess nach einem Trauma. Neben den groß­ar­ti­gen Bildern möch­ten wir auch die beein­dru­cken­den Darbietungen der jun­gen Schauspieler her­vor­he­ben, die eine fes­seln­de Dynamik geschaf­fen haben. 

Wettbewerb »Youngsters«

LUCAS »Youngsters« Award (5.000 €)

WHERE THE WIND COMES FROM (TN/FR/QA 2025. R+DB: Amel Guellaty)

WHERE THE WIND COMES FROM ©Films Boutique | Quelle: DFF

Die furcht­lo­se Alyssa und der sen­si­ble Künstler Mehdi füh­len sich im Vorstadtalltag von Tunis gefan­gen. Wie vie­le jun­ge Menschen suchen sie Arbeit und tra­gen zugleich fami­liä­re Verantwortung. Als Alyssa von einem Kunstwettbewerb am ande­ren Ende von Tunesien erfährt, bei dem ein Aufenthalt in Deutschland winkt, über­re­det sie Mehdi zu einem wil­den Ritt quer durch ihr Heimatland. Ohne roman­ti­sche Verstrickungen, dafür mit gespreng­ten Geschlechterrollen ist Amel Guellatys Film eine muti­ge Odyssee vol­ler Sehnsüchte, Träume und der Suche nach einem bes­se­ren Leben.

Begründung der Jury im Wettbewerb »Youngsters«
Unzufrieden mit ihrem der­zei­ti­gen Leben möch­te Alyssa in ein west­li­ches Land aus­wan­dern, in der Hoffnung auf eine bes­se­re Zukunft. Sie hat eine Idee und bit­tet ihren Freund Mehdi, sie auf einer Reise durch Tunesien mit einem gestoh­le­nen Auto zu beglei­ten. Auf den ers­ten Blick mag es wie eine klas­si­sche Coming-of-Age-Road-Trip-Geschichte erschei­nen, doch Amel Guellaty geht einen ande­ren Weg und zeich­net ein per­sön­li­ches und sehr poe­ti­sches Bild der tune­si­schen Kultur und Identität. Die Reise wird zu einer ehr­li­chen Erzählung über das Leben jun­ger Menschen nach dem Arabischen Frühling in einem Land, das Chancen zu bie­ten scheint, aber tut es das wirk­lich? Wir lie­ben die­sen Film wegen sei­nes inno­va­ti­ven Erzählansatzes und der Art und Weise, wie er das Medium Film voll ausschöpft.

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ECFA-Award

I ACCIDENTALLY WROTE A BOOK (HU/NL 2024. R: Nóra Lakos)

Bridging the Borders Award – Lobende Erwähnung

OLIVIA AND THE INVISIBLE EARTHQUAKE (ES/FR/BE/CH/CL 2025. R: Irene Iborra Rizo)
- Deutschlandpremiere bei LUCAS — 

Bridging the Borders Award

GIRLS DON’T CRY (DE 2025. R: Sigrid Klausmann, Lina Luzyte)

Publikumspreis

THE SONGBIRDS’ SECRET (FR 2025. R: Antoine Lanciaux)