LUCAS Kritikfenster 2018 – Filmkritiken

LUCAS Kritikfenster 2018 – Filmkritiken
 
 
 

Die Filmkritik ist als aufklärerische Tradition und vermittelnde Instanz ein bedeutendes Arbeitsfeld in der Filmkultur. Fünf Schüler/innen aus dem Großraum Frankfurt setzten sich in der Festivalwoche intensiv mit drei LUCAS-Wettbewerbsfilmen auseinander. Mit Unterstützung der Filmpädagogin Julia Pirzer verfassten die Jugendlichen ihre ersten eigenen Filmkritiken. Die Workshopteilnehmer/innen kommentieren die Filme aus ihren ganz eigenen Sichtweisen heraus. Zehn wunderbare Texte sind aus dem Projekt entstanden, die Lust machen, die Filme mit eigenen Augen zu sehen.

Filmkritik zu AMATÖRER

Wie unterschiedlich die Sicht doch sein kann…

Zwei Mädchen, zwei Schnauzer und lautes Gelächter. Wir sehen einen Film über zwei Mädchen, die ihre Sicht der Dinge durch einen selbstgedrehten Film widerspiegeln wollen und dabei ihr Umfeld ganz neu entdecken. Nachdem der Stadtrat die Mädchen Aida und Dana darum gebeten hat, einen Film über ihre Heimatstadt Lafors zu drehen, entscheidet er sich auf einmal doch für einen professionellen Regisseur. Der Film AMATÖRER (2017) von Gabriela Pichler beschäftigt sich in 110 Minuten mit Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt, Integration und Globalisierung. Durch die verschiedenen Perspektiven und unterschiedlichen Aufnahmen der beiden Filme im Film erhält man auch zwei Sichtweisen auf das Leben in Lafors. Der Unterschied zwischen Jugend und Erwachsenen könnte nicht größer sein.

Der Film AMATÖRER versucht wichtige Themen anzusprechen, dennoch fühlt man sich beim Schauen manchmal überfordert oder belagert. Die Themen innerhalb des Filmes wechseln sehr schnell. So fällt es schwer, als Zuschauer einen roten Faden zu finden. Zu oft wurde der Fokus auf Sachen gelegt, die nicht wirklich relevant waren. Schön zu sehen sind die verschiedenen Kamerawechsel. Sie machen den Film identifizierbar und interessant. Dennoch waren solche Szenen leider sehr selten. Mir fehlte die Spannung und ein bestimmtes, erkennbares Thema. Die Geschichte hinter dem Film ist schön, doch leider fällt es zu schwer, sie nachzuvollziehen.

Isabelle Hahn, 15

Im Chaos geht die Botschaft unter

In dem schwedischen Spielfilm AMATÖRER von Gabriela Pichler, erschienen 2017, geht es um die zwei Mädchen Aida und Dana, die einen Film über ihre Heimatstadt Lafors drehen. Der Film entsteht im Auftrag des Gemeinderats, da sie den deutschen billig Supermarkt, SuperBilly anlocken wollen.

Doch als der Gemeinderat den Film der beiden sieht, entscheidet er sich, einen professionellen Film drehen zu lassen. Sie bezahlen einen Filmemacher aus Stockholm, der ihren Film drehen soll, er aber will Lafors nur so zeigen, wie er es für richtig hält – ohne die schlechten Seiten zu zeigen. Aida und Dana lassen sich jedoch nicht abhalten und drehen weiter ihren Film, der auch das wahre, ungestellte Lafors zeigt – die Einwohner von Lafors in ihrem Alltag und mit ihren Ängsten. Darunter die Bäckerei von Danas Mutter und Aida’s Mutter beim Putzen des Rathauses.

Mich hat der Film nicht einfangen können, denn der Film handelt von zu vielen Geschichten gleichzeitig: Als erstes von Aida und Dana, ihrem Hintergrund, dann von der Musse (einem Gemeinderats-Mitglied) und seiner Mutter; von den Filmen für SupperBilly und von den Problemen einer schrumpfenden Kleinstadt. Außerdem führen die ungewohnten Kameraperspektiven, wackligen Aufnahmen und wilden Schnitte dazu, dass man den Überblick verliert.

Alex Ismar, 13

Der etwa ein und halb Stunden lange Spielfilm AMATÖRER spielt in einer Kleinstadt namens Lafors in Schweden. Die Regisseurin ist Gabriela Bircher, die ebenfalls in Schweden geboren wurde. Der Rahmen der Handlung entsteht dadurch, dass die deutsche Billigkette Superbilly in einer von zwei Kleinstädten einen Laden eröffnen will. Der Gemeinderat will natürlich, dass Superbilly nach Lafors geht. Um die Kette zu überzeugen, lässt er einen Werbefilm über Lafors drehen. Das Budget ist jedoch klein und deshalb sollen Schüler den Film drehen. Aida und Dana nehmen sich dieser Aufgabe an und diese sehr ernst. Die beiden sind die Protagonistinnen des Films. Die beiden Filmen sind alles, was sie an ihrem leben toll finden – wie zum Beispiel Aidas Mutter beim Putzen. Der Film von Aida und Dana handelt von ihrer engen Freundschaft und ist ein Film über das echte Lafors und was sie ihrer Meinung nach schön finden. Leider findet der Gemeinderat das Endprodukt nicht uüberzeugend und engagiert nun doch einen professionellen Filmemacher. Dieser zeigt nur die guten Seiten von Lafors, also wie schön und sauber es ist. Das wirkt viel zu sauber und steril, es zeigt nicht ganz wie die Realität aussieht.

Was ich gut finde, sind die zwei Sichten auf die Stadt, die man durch die beiden Filme bekommt. Was ich teilweise doch anstrengend fand, war, dass die Kamera wirklich stark gewackelt hat, auch wenn es zum Film gehört. Die schauspielerische Leistung der Erwachsenen ist mittelmäßig, da fehlte ein bisschen Einsatz. Alles in allem finde ich den Film nicht gut, da er keine richtige Geschichte hatte bzw. überfrachtet war und der rote Faden an manchen Stellen riss. Auch die lustigen Elemente gehen in der trockenen Geschichte unter. Außerdem wird am Anfang Western Musik gespielt und dazu wird ein passendes Fest gefeiert, weshalb man denkt, es könnte ein Western Film sein. Doch die Elemente des Genres verlaufen sich mehr und mehr im Sand. Nach dem Filmanfang kommt auch überhaupt keine Musik mehr, was mich persönlich ziemlich gestört hat. Nur der Teil über die Freundschaft der Mädchen überzeugt.

Nick Malu Magraf, 13

AMATÖRER – Kein Bild einer schwedischen Idylle

Der Film AMATÖRER kommt aus Schweden, ist 110 Minuten lang und wurde von der Regisseurin Gabriele Pichler gedreht. Wir befinden uns in Lafors, einem kleinen Städtchen im ländlichen Schweden. Auf einer Straße, in der Nähe des Ortes fahren die beiden Freundinnen Aida und Dana auf ihrem Motorroller. Aida steuert und Dana filmt. Mit diesem Bild vergegenwärtigen wir uns den Film. Der Gemeinderat von Lafors plant, einen Werbefilm für ihre Stadt zu machen, um ein deutsches Unternehmen anzulocken. Damit beauftragt er die Schulklasse von Aida und Dana. Doch als die Filme der Schüler fertig sind, kann keiner der Filme den Gemeinderat überzeugen. Der Ratsvorsitzende entschließt sich, einen professionellen Filmemacher mit der Produktion des Filmes zu beauftragen. Aida und Dana wollen nicht akzeptieren, dass ihr Film nicht genommen wird und drehen weiter. Dabei filmen sie ihre Umgebung, ihre Familien, alle Leute, die ihnen begegnen, und sogar die Leute vom Gemeinderat bei den Dreharbeiten des professionellen Werbefilms. Aida und Dana zeigen alles unzensiert – und so bekommen wir es zu sehen: Nach fröhlichen und kuchenessenden Dorfbewohnern kommt eine volle Kloschüssel. Neben dem Thema Migration zeigt AMATÖRER auch Landflucht und Arbeitslosigkeit. Dabei wird der Fokus auf die unterschiedlichen Bewohner des Städtchens und ihre Arbeit gelegt. Die Freundinnen drehen mit ihrem Handy und schneiden ihre Aufnahmen nicht und so entstehen wackelige und teilweise unscharfe Bilder, die dennoch eine sehr lebensnahe Stimmung vermitteln. Der Film AMATÖRER ist eben auch wie der Film der beiden Hauptfiguren: kein Bild einer schwedischen Idylle.

Ferdinand Maurer, 15

Filmkritik zu SATURDAY CHURCH
Eine Odyssee in bunten Bildern

Ulysses steht vor dem Spiegel im Zimmer seiner Mutter. Er ist noch festlich gekleidet, da er gerade aus der Kirche kommt. Er nimmt die roten Stöckelschuhe seiner Mutter aus dem Schrank und zieht sie an. Er betrachtet sich lange im Spiegel. Plötzlich kommt sein kleiner Bruder ins Zimmer. Er sieht Ulysses in den Schuhen seiner Mutter, erschrickt und läuft aus dem Zimmer. Der Film des Regisseurs Damon Cardasis dauert 82 Minuten und wurde in den USA gedreht. Er handelt von dem Jungen Ulysses, der mit seiner Familie in New York lebt. Seine Familie ist sehr religiös, besonders seine strenge Tante Rose. Ulysses entdeckt, dass er gerne tanzt, dass er sich gerne außergewöhnlich kleidet und vor allem seine Liebe zu anderen Männern. Aus Angst vor seiner Familie traut er sich nicht, sich zu outen und trifft sich mit andren Gleichgesinnten der LGBTQI-Szene, in der sogenannten „Saturday Church“, einer kirchlichen Schutzeinrichtung für Transsexuelle. Dorthin gelangt er als er zufällig auf einem Peer eine Gruppe von Trans-Frauen, Lesben und Schwulen trifft, die später für ihn sehr gute Freunde – wenn nicht sogar wie eine zweite Familie – werden. Egal was er für Strapazen durchmacht, immer samstags beim Treffen in der „Saturday Church“ sind sie für ihn da und richten ihn wieder auf. Doch eines Tages kommt ihm seine Tante auf die Schliche und wirft ihn aus dem Haus. Ulysses macht eine aufregende und teilweise furchtbare Odyssee durch, wobei es sehr gut passt, dass Ulysses Odysseus bedeutet. Im Film gibt es viele Lieder, die immer sehr gut die Stimmung der Figuren transportieren. Aus meiner Sicht ist der Film ein gelungenes Werk, das dem Zuschauer die Situation von Transsexuellen in unserer Gesellschaft vor Augen führt.

Ferdinand Maurer, 15

Eine wirklich offene Kirche

In dem amerikanischen Film SATURDAY CHURCH von Damon Cardasis von 2017 geht es um den 14-jährigen Jungen Ulysses, der vor kurzem seinen Vater verloren und einen inneren Konflikt hat, da er selbst am liebsten ein Mädchen sein möchte. Seine Mutter und seine Tante erlauben ihm nicht, dies auszuleben, da sie Angst davor haben, dass es sein Leben erschwert. Das wird in der Szene deutlich, in der Ulysses jüngerer Bruder ihn mit Frauenschuhen erwischt und verpetzt, weswegen Ulysses Ärger bekommt. Seine Mutter ist alleinerziehend und muss lange arbeiten, deswegen wohnt er hauptsächlich mit seinem Bruder und seiner Tante Rose zusammen, die es gar nicht mag, dass er homosexuell ist, da sie sehr religiös ist und sie ihn in ihren Augen schützt, da sie auch Angst davor hat, was mit ihm geschehen könnte. Ulysses flieht regelmäßig von zu Hause und trifft bald auf ein paar Transgender-Menschen, die ihn einladen, mit zu einem Ort für homosexuelle Leute namens Saturday Church zu kommen, wo er sich willkommen fühlt, weil er dort sein kann, wie er möchte.

Die Geschichte vom Film ist sehr viel bedeutender, als nur für die LGBTQI-Szene, da es sehr wichtig für alle Menschen ist, alle so zu akzeptieren, wie sie sind. Die hauptsächlichen Stilmittel des Films sind Tanz und Gesang, die die Hoffnungen und Gedanken von Ulysses und seinen Freunden darstellen. Gesang und Musik sind für mich mit das Beste im Film, weil sehr gut gesungen wurde und es die Emotionen transportiert. Aber auch das Schauspiel ist sehr realistisch. Alles am Film hat mir sehr gut gefallen. Ich würde denn Film weiterempfehlen.

Alex Ismar, 13

Weil jeder das Recht hat, man selbst zu sein!

Wie ist es? Dieses große Verlangen? Das große Verlangen, als Junge die Schuhe seiner Mutter zu tragen? Es ist offensichtlich und nicht zu verstecken. Doch leider muss Ulysses genau das! Der 14-jährige Junge steckt mitten in der Pubertät und Selbstfindung, aber er hat keine Chance, sein wahres Ich auszuleben. Aufgewachsen in einem sehr religiösen und strengen Umfeld mit Mutter, Bruder und Tante lebt er zwar sehr behütet, aber versteckt, denn Ulysses ist Transgender. Nach längerer Zeit des Versteckspielens trifft Ulysses an einem Peer in New York eine Gruppe (bestehend aus mehreren Transgendern und einem jungen Mann) mit denen er sich zum ersten Mal wirklich identifizieren kann. Nicht nur die Gruppe, sondern auch die Saturday Church bieten ihm seit dem Tag an Zuflucht und eventuell sogar eine neue Familie. Liebe, Vertrauen, Selbstfindung und Familienrückhalt, Fragen wie „Wo gehör ich hin?“ oder „Wer bin ich?“ kommen durch neue Freundschaften und mangelnden Respekt in der eigenen Familie immer wieder auf. Der Regisseur Damon Cardasis schafft es in wunderbarer Art und Weise Aufklärung und Unterhaltung so zu verpacken, dass man sich wünscht, selber ein Teil Ulysses Leben zu sein. Der Film SATURDAYCHURCH (2017) bietet in 82 Minuten viel Musik verbunden mit ausdrucksvollem Tanz sowie sehr emotionalem, feinsinnigem Schauspiel. Er schafft eine fröhliche und helle Atmosphäre, trotz dem ernsten Thema, das hinter dem Film steht. Dieser Film spricht alles an, was angesprochen werden muss. Denn seien wir ehrlich… Die Frage sollte nicht sein, ob man man selbst sein darf. Die Frage sollte sein, wie man am besten man selbst ist!

Isabelle Hahn, 15

Ein Musical über die Menschlichkeit

Der Film SATURDAY CHURCH von Damon Cardasis ist ein Spielfilm von 2017. In diesem bunt gestalteten Film geht es um einen etwa 14-jährigen Jungen namens Ulysses aus New York, der merkt, dass er schwul ist. Direkt am Anfang gibt es einen großen Tiefschlag für ihn zu verkraften: sein Vater stirbt. Seine Mutter muss daraufhin viel arbeiten und hat wenig Zeit für ihre Kinder. Die Tante soll sich dann um Ulysses und seinen kleineren Bruder kümmern. Das Problem ist, dass die Tante Ulysses Neigungen und sein Wesen nicht akzeptiert und die Mutter davon nichts mitbekommt. Eine prägnante Szene ist, wenn der kleine Bruder sieht wie Ulysses die Schuhe seiner Mutter anprobiert. Das meldet er gleich der Tante, die daraufhin Ulysses anschreit und meint, er solle dies nie wieder machen. Ulysses stürzt aus dem Haus. Draußen in der Stadt lernt Ulysses ein paar Leute kennen, die auch transgender, schwul und lesbisch sind. Mit ihnen kann er sich dann endlich identifizieren. Mit ihnen geht er jeden Samstag in die Saturday Church – die etwas andere Kirche. Er findet einen festen Freund, den er liebt. Doch dies will er erstmal Zuhause niemandem sagen. Weiterhin verfolgen ihn die Probleme.

Die wohl härteste Szene war als Ulysses ein Mann auf der Straße trifft und der ihn mit zu sich nach Hause nimmt. Er scheint erst ganz nett, doch dann will er etwas von Ulysses und nutzt seine Machtposition aus. Kurz gesagt, Ulysses verkauft sich überfordert. Was ich persönlich unglaublich toll fand war wie gut Luka Kain den Ulysses gespielt hat. Sehr feinfühlig lässt er ihn zu einer vielschichtigen Person werden. Die Schnitte im Film sind schön gemacht, es sind sinnvolle und fließende Übergänge. Der ganze Film ist außerdem sehr farbenfroh und ziemlich bunt. Insgesamt fühlt man sich richtig in den Film hinein, man versteht Ulysses’ Wirklichkeit. Ulysses hat Probleme die auch in echt heutzutage manche Leute betreffen. Ulysses erlebt Höhen und Tiefen, doch genau das macht den Film lebensnah und ziemlich spannend. In dem Film wird immer in so einem Hoch oder Tief gesungen um die Stimmung zu verbildlichen. Es gibt eigentlich nur eine Sache, die ich nicht so gut gelungen finde, und das ist das Ende, da es so abrupt war. Doch es lohnt sich allemal, ihn anzuschauen, er ist ein großartiger Film.

Nick Malu Magraf, 13

Filmkritik zu HOM

Jun-ho sitzt zusammen mit seinem kleinen Bruder im Warteraum. Gegenüber von ihnen sitzt ein Mann mit einem kleinen Mädchen. Ein Arzt in weißem Kittel kommt herein und fragt: „Wer sind die Angehörigen der Frau?“ Der Mann neben dem kleinen Mädchen steht auf. Der Arzt fragt weiter: „Und die Angehörigen der anderen Frau?“ Jun-ho will aufstehen, doch der Mann kommt ihm zuvor. „Ich bin auch eine Art Angehöriger.“ Der Mann spricht eine Zeit lang mit dem Arzt. Als er zurückkommt springt Jun-hos kleiner Bruder auf, rennt zu ihm und ruft: „Papa, Papa!“ Als der Mann ihn begrüßt, läuft auch das kleine Mädchen, das mit dem Mann gewartet hat, zu ihm und ruft: „Aber du bist doch mein Papa!“ Der Mann schaut verlegen und hilflos zu Jun-ho.

An dieser fulminanten Eröffnung lässt sich die gesamte Tragik des weiteren Films ablesen: Eine schwierige Zusammenführung von zwei in einem Punkt verbundenen Familien.

Der Film HOM von Regisseur Jong-woo Kim kommt aus der Republik Korea und dauert 100 Minuten. Nach dem Unfall möchte der Mann, Sung-hos Vater, nur ihn zu sich nehmen, doch Jun-ho, dessen Vater nichts von ihm wissen will, bleibt einsam zu Hause. Als ihn sein Bruder Sung-ho vermisst, holt ihn sein Stiefvater zu sich nach Hause. Dort lernt er auch die kleine Halbschwester seines Bruders näher kennen. Bei seinem Stiefvater erwartet ihn eine schöne, aber auch schwierige Zeit. Er räumt auf, holt seine Halbgeschwister vom Kindergarten ab und hilft seinem Stiefvater im Laden. Er träumt, dass er bei seiner neuen Familie bleiben kann, doch anders, als es in einer Familie sein sollte, steht dies immer wieder zur Debatte. Das ist der Konflikt des Films – die Frage nach der Bedeutung von Familie. HOM ist ein sehr ruhiger Film. Der Regisseur setzt auf wenige Dialoge und viel Mimik. Prägende Ereignisse wie der Autounfall von Jun-hos Mutter oder ihr Tod werden nicht direkt gezeigt, sondern nur angedeutet. Der Film erzählt eindrucksvoll mit einfachen Mitteln die bewegende Geschichte eines kleinen Jungen auf der Suche nach einem Zuhause.

Ferdinand Maurer, 15

Der ungefähr ein und halb Stunden lange Film HOM von Jong-woo Kim handelt von einem 10-jährigen Jungen mit dem Namen Jun-ho, der in Korea lebt. Seine Mutter verdient nicht viel Geld und dann kommt noch dazu, dass er von ein paar Schülern gemobbt wird. In seinem Leben gibt es eigentlich nur eine Person, bei der er „er“ sein kann und die ist sein kleiner Bruder Sung-ho.

Ihre Mutter streitet sich mit einer anderen Frau und anschließend steigen beide in ein Auto ein. Doch schon nach ein paar Metern wird klar, dass das Auto ein Unfall hatte. Jedoch wurde hier nicht gezeigt, wie der Unfall entstand. Man sah nur einen LKW vorbei fahren und dann hörte man nur noch piepsen. Man musste sich das Bild wegen der Auslassung selbst zusammensetzen. Beide liegen schwerverletzt in einem Krankenhaus. Dorthin kommt der leibliche Vater von Sung-ho, der aber nicht der Vater von Jun-ho ist. Jun-ho lebt deswegen für kurze Zeit alleine, doch dann nimmt ihn der Mann als Stiefsohn auf. Darum geht es auch hauptsächlich in dem Film, ob Jun-ho bei dem Stiefvater bleiben kann oder nicht. Jun-ho versucht jedoch alles, um bleiben zu dürfen. Er kümmert sich liebevoll um seinen Bruder und die kleine Tochter von dem Stiefvater, er räumt die Wohnung auf und hilft sogar im Laden des Stiefvaters. Die Geschichte hat der Film wirklich gut erzählt, mit eher wenig Dialogen, aber es gibt sehr viele Andeutungen, die für Familie stehen. Als Beispiel: Die beiden kleinen Kinder malen ein Bild, wie ihre Familie aussieht, dort kommen alle drin vor, auch Jun-Hu, was ihn sehr erfreut. Die Atmosphäre in dem Film ist eher traurig, es gibt wenig Musik, dennoch hat der kleine Jun-ho tolle Momente in seinem Leben, aber auch ebenso traurige. Was dem Film gut gelungen ist, ist die brüderliche Beziehung von den beiden. Sie ist sehr lebensnah und berührt einen innerlich. Bei den Schauspielern hat man richtig gemerkt, dass es ihnen Spaß gemacht hat das zu spielen. Jun-ho spielt auch unheimlich gerne Fußball. Es scheint, als könnte er dort seine Gefühle ablassen und würde die Stabilität bekommen, die ihm in der Familie fehlt.

Nick Malu Magraf, 13

Ein kleiner Junge bettelt bei einem Mann um ein Zuhause. Um sein NEUES Zuhause. Doch dieser geht weiter, ohne einen Ton zu sagen.

Wie grausam dieses Gefühl für den 12-jährigen Jun-ho wohl sein muss? Nachdem seine Mutter bei einem Autounfall gestorben ist, ist er mit seinem kleinen Bruder zuerst auf sich alleine gestellt. Da das Familienverhältnis eh schon ziemlich kompliziert ist, kann er sich auch nicht auf Hilfe seines leiblichen Vaters verlassen. Den einzigen Rückhalt bietet ihm jetzt nur noch der Fußball. Jon-hus kleiner Bruder lebt nach dem Unfall behütet bei seinem eigenen Vater. Dieser will Jon-hu aber nicht aufnehmen. Deswegen beschäftigt sich Jun-ho lange Zeit damit, die Familie seines kleinen Bruders mit seiner respektvollen und verantwortlichen Art und Weise davon zu überzeugen, ihn aufzunehmen. Zur Last fallen möchte er ihnen aber auch nicht. So lässt sich auch erklären, wie der Regisseur Jong-woo Kim auf den Titelnamen HOM gekommen ist: Hom bedeutet nämlich nicht nur Zuhause, sondern auch Familie, Schutz und Liebe. Und genau diese Sachen haben Jun-ho seit dem Tod seiner Mutter gefehlt. Der 2017 erschienene Film ist sehr ruhig. Es gibt kaum Musik und kaum Dialoge. Die Emotionen vermittelt der Film über Bilder, deshalb ist er trotzdem nicht langweilig. Das Thema Familienfindung reißt den Zuschauer mit und beweist, dass Filme nicht nur durch Dialoge funktionieren.

Isabelle Hahn, 15

In dem koreanischen Film HOM von Jong-woo Kim, erschienen 2017, geht es um den 12-jährigen Jungen Jun-ho, der mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder in einer kleinen Wohnung wohnt.

An einem normalen Morgen läuft Jun-ho mit seiner Mutter und seinem Bruder zur Schule, auf einmal spricht eine für die Kinder fremde Frau ihre Mutter darauf an, dass sie reden müssten. Sie steigen beide ins Auto und fahren los. Die Kinder lassen sie alleine. Im nächsten Moment hört man einen LKW, der schnell vorbei fährt, und im nächsten Moment ist ein Unfall passiert, in den die Mutter und die Frau verwickelt waren. Sie kommen beide ins Krankenhaus. Im Krankenhaus treffen sie den Angehörigen des zweiten Opfers. Es ist der Vater von Jun-hos kleinem Bruder. Das zweite Opfer war seine neue Frau. Er nimmt den Bruder mit, da nur er in seinen Augen ein Teil seiner Familie ist, und lässt Jun-ho alleine. Dies ist ein Problem für Jun-ho, da er jetzt alleine leben muss. HOM zeigt wie man Familie verlieren kann und was es bedeutet, eine Familie zu haben.

In dem Film ist vieles besonders: der Hauptdarsteller redet ziemlich wenig, aber zeigt viel in seiner Gestik und es gab immer sehr ruhige Musik, insgesamt war der Film sehr ruhig.

 Alex Ismar, 13

Kurzkommentar zu MADELINE’S MADELINE

Die ästhetische Umsetzung des Films hat mich beeindruckt, aber auch verwirrt. Ich kenne sonst keinen Film, der sich so über den schauspielerischen Ausdruck trägt. Die Art und Weise, wie Ton und Kamera genutzt wurden, produziert starke Emotionen. In dem Punkt, dass manchmal über mich als Jugendliche hinwegbestimmt wird und dich jemand nur so lange hält, wie er dich braucht, kann ich mich als Jugendliche mit der Protagonistin Madeline identifizieren. Der Film war für mich wie ein Puzzle, das ich nicht zusammensetzen konnte.

Isabelle Hahn, 15