LUCAS Kritikfenster 2019 – Filmkritiken

LUCAS Kritikfenster 2019 – Filmkritiken

Die Filmkritik vermittelt zwischen Werk und Publikum und ist ein bedeutendes Arbeitsfeld in der Filmkultur. Welcher Film ist toll, welcher nicht – und vor allem: Warum? Kritiken schreiben, das heißt stilsicher und überzeugend die eigene Meinung formulieren, und genau das steht beim LUCAS Kritikfenster auf dem Programm. Auf dem Festival sichten die Schüler/innen zuerst mehrere Wettbewerbsfilme und gehen dann in Workshops mit Filmpädagogin Julia Pirzer deren inhaltlicher und ästhetischer Gestaltung auf den Grund.

Filmkritiken zu ESPERO TUA (RE)VOLTA

Eine Aufgeheizte Atmosphäre

Mehrere Schülerinnen und Schüler stehen auf der Straße. Vor ihnen eine Blockade aus Tischen und Stühlen. Ein Stau bildet sich. Die Schüler demonstrieren. Ein Auto fährt los und bricht durch die Blockade. Die Schüler retten sich noch rechtzeitig. In 93 Minuten zeigt ESPERO TUA (RE)VOLTA die dramatischen Entwicklungen der Demonstrationen brasilianischer Schüler. Regie des in 2019 erschienen Dokumentarfilmes führte Eliza Capai. Alles beginnt 2013 mit harmlosen Demonstrationen gegen gestiegene Busticketpreise und entwickelt sich in den 5 folgenden Jahren zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Dabei erzählen mehrere Schülerinnen und Schüler von Straßenblockaden, Schulbesetzungen und Polizeigewalt. Die viele Kameraperspektiven und schnelle Schnitte vermitteln die chaotischen Zustände und der Zuschauer fühlt sich als Teil der Demonstration. Der Film wechselt zwischen den Charakteren hin und her und dabei wechselt das Voice-Over mit. Dies lässt den Film lebendig wirken und zeigt die Emotionen der Schüler. Die typisch brasilianische Musik gibt die aufgeheizte Atmosphäre der Demonstrationen wieder. Die sich ständig wiederholenden Schauplätze und wiederkehrende Protagonisten bieten Orientierung in der sonst eher ungewöhnlichen Chronologie des Films. Denn durch die vielen Zeitsprünge kann der Zuschauer ab und zu den Überblick verlieren. Jedoch fühlt er mit den Charakteren mit und ist schnell von der Handlung gefesselt. Teilweise ist es erschreckend, wie die Polizei Gewalt anwendet, um die Demonstrationen zu beenden. Insgesamt würde ich den Film auf jeden Fall weiterempfehlen. Das Thema ist sehr aktuell und ergreifend. Man entwickelt Emotionen und fühlt mit den Protagonisten mit.

Kai Stürtz, 15

Chaos, Subjektivität, Engagement

Blockierte Straßen, wütende Jugendliche, PolizistInnen mit Schlagstöcken. Gewalt. Wir befinden uns auf einer Demonstration der Studierendenbewegung in Sao Paulo, Brasilien. Der Dokumentarfilm ESPERO TU (RE)VOLTA! wurde unter der Regie von Eliza Capai 2019 in Brasilien produziert und dauert 93 Minuten. Er handelt von den Protesten der brasilianischen Schüler- und Studentenbewegung im Zeitraum von 2013 bis 2018. Ausgelöst werden diese durch die steigenden Bus- und Bahnpreise, für die sie auf die Straße gehen. Der Film stellt dar, wie sie sich im Laufe der Zeit radikalisieren: Sie besetzen ihre Schulen, die von der Regierung geschlossen werden sollen, und kämpfen um ihr Recht auf eine ordentliche Ausbildung für alle, weil ihre lautstarke Kritik am System nicht gehört wird. Er zeigt die Geschehnisse aus ihrer subjektiven Sicht, wozu die Kamera beiträgt und starke Emotionen wie die Wut gegenüber der Gewaltbereitschaft der PolizistInnen; die Begeisterung und Ergriffenheit von der Kraft der Gemeinschaft; und das Mitfühlen für die Situation der Protestierenden bei den ZusschauerInnen auslöst. Das appelliert an unseren Gerechtigkeitssinn, vor allem an den von uns Gleichaltrigen, die in Deutschland das Privileg haben, ohne Kampf zur Schule zu gehen. Durch Voice-Over, Interviews und Dialoge sowie die schnellen Schnitte wird das chaotische und emotionsreiche Geschehen auf den Demonstrationen nahegebracht. Gleichzeitig wirkt ihr Kampf alltäglich,  weil die Jugendlichen zusammen kochen, leben und sich organisieren. Ich finde, der Film ist sehr gelungen und kann die Situation in Brasilien vor allem jungen Menschen gut vermitteln. Das erzählerische Chaos könnte gewollt sein, um das Chaos im heutigen Brasilien abzubilden, bringt die Zuschauer aber auch durcheinander. Ich habe den Film sehr genossen und kann ihn allen empfehlen, die mehr über Brasilien und die brasilianische Jugend wissen wollen. Außerdem ist der Film für uns alle von Bedeutung, weil es ein Film ist, der sich für Engagement und Aktivismus ausspricht.

 

Cora Vormbusch, 15

Eine Stunde mittendrin

Großer Tumult. Eine Frau liegt am Boden. Drumherum Menschen, die sich sorgen. Nur die Polizei steht tatenlos in Reihe daneben. Das ist ESPERO TUA (RE)VOLTA, der Dokumentarfilm der brasilianischen Regisseurin Eliza Capai, produziert 2019, 93 Minuten lang. Der Langfilm behandelt die Schüler- und StudentInnen-Proteste in São Paulo im Zeitraum von 2013 bis 2018. Erzählt wird die Geschichte hauptsächlich von drei Teenagern, die an den Protesten teilnehmen. Zuerst  demonstrieren sie gegen den Preisanstieg der Fahrkarten der öffentlichen Verkehrsmittel. Gerade die ärmeren BürgerInnen sind von günstigen Fahrtkosten abhängig. Die Themen mehren sich. Sie demonstrieren gegen eine Reform, die die Schließung von  90 Schulen zur Folge hätte. Sie demonstrieren für Dinge, die hier in Deutschland für die meisten selbstverständlich sind und gegen Dinge, die wir uns hier nicht vorstellen können. Je extremer die Schüler und StudentInnen protestieren, desto extremer schlägt die Polizei zurück. Tränengas, rohe Gewalt. Diese Aufnahmen führen zu Sprachlosigkeit. Die Kamera hält nicht weg: Sie hält einfach drauf. Der Film ist in seiner Aussage und mit seinen Darstellern so energisch und wütend, als wolle er gleich die ganze Geschichte auf einmal erzählen. Das Problem: Das tut er auch. Texteinblendungen verraten zwar das Jahr der Geschehnisse, trotzdem verliert man nach kurzer Zeit den Überblick. Eine chronologische Erzählweise hätte dem Film gut getan, die Entwicklung und Zuspitzung der Proteste und der darauffolgenden Polizeigewalt außerdem besser herausstellen können.Obwohl es zeitweise anstrengend sein mag, dem Dokumentarfilm zu folgen,  ist ESPERO TUA (RE)VOLTA sehr sehenswert und beschäftigt auch noch nach dem Abspann. Die Klammer schließt sich, wenn die Sanitäter der am Boden liegenden Frau endlich helfen und ihre Kopfverletzung verarzten, nach einer Stunde im Film, die eine Stunde im Kino ausmacht.

 

Elisabeth Felgenhauer, 16

Eine Erzählung, dicht und chaotisch

Menschen schreien im Chor in die Nacht hinein. Man sieht Studenten, die trotz der Polizeigewalt für ihre Rechte demonstrieren. Der 2019 erschienene, brasilianische Dokumentarfilm ESPERO TU REVOLTA (93min) von Eliza Capai, zeigt die 2013 aufkommenden Proteste der Studenten für eine bessere Bildung in Sao Paulo. Der Film widmet sich der Organisation der Studenten zu einer Bewegung genauso, wie einzelnen Beteiligten mit ihren Beweggründen und den Formen ihres Aktivismus. Man kann durch den Film mehrere Jahre des Protestes in Brasilien mitverfolgen und sehen wie sich die Studenten gegen die Regierung stellen. Der  absichtlich subjektiv gehaltene Film erzählt alleinig aus der Sicht der Studenten weil es wichtig ist, die Unverhältnismäßigkeiten im Land öffentlich zu machen.  Der Film überzeugt vorerst mit seiner mitfühlenden und nahebringenden Handlung. Vor allem die Protagonisten bzw. die Voice-Over-Erzähler, die uns in dieser Geschichte begleiten, bringen uns deren verschiedenen Sichtweisen sehr gut nahe. Auch die eingesetzte Musik und die später auf den Demos gesungenen Parolen spiegeln sehr gut die Gefühle der jungen Menschen wider: Wut, Fassungslosigkeit, aber auch Tatendrang, die in uns als Zuschauer übergehen. Einzigartig für diesen Dokumentarfilm ist seine chaotische und komplexe Erzählstruktur, die von Protagonisten zu Protagonisten weitergegebene Handlung, die zwischen den einzelnen Jahren hin und her wechselt. Durch die wechselnden Zeitabschnitte kann es leicht zu Verwirrungen und Verwechslungen kommen. Auch die zu Beginn lebhaften Dialoge der Protagonisten versanden im Laufe des Films. Der Film an sich erzählt eine sehr gute und wissenswerte Geschichte über den Studentenaufstand in Brasilien. Das Besondere daran ist, dass man es durch die Augen der Protestanten mitverfolgt. Es wird uns daher eine Geschichte geboten, die uns ein reales Ereignis zeigt, ein Ereignis aus dem wir selbst etwas  lernen können. Der Film ist unglaublich komplex, hat eine sehr interessante Handlung, liefert spannendes Bildmaterial und Effekte – wie die gezeigten Zeitraffer und das Zurückspulen der Szenen.

Robin Ehmann, 18

 

Filmkritiken zu CHARLOTTE HAT SPAß
„Wir sind doch keine Kinder mehr!“

Die drei Freundinnen haben sich aufwendig verkleidet. Doch als sie bei der Party der Jungs ankommen, sind sie die einzigen mit Kostüm. „Wir sind doch keine Kinder mehr!“ sagt ein Mädchen zu ihnen. Sie nehmen sich ein Bier. Die im Jahre 2018 erschienene Komödie CHARLOTTE A DU FUN erzählt von drei jugendlichen Freundinnen und ihre Erfahrungen mit Sexualität, Drogen und Beziehungen zu Jungs. Die Regie des 89 Minuten langen Films führte Sophie Lorain. Nachdem Charlottes Freund mit ihr Schluss macht, beschließen sie und ihre Freundinnen neuen Kontakt zu Jungs aufzubauen. Daher jobben sie in einem Supermarkt und lernen dort eine Gruppe von Jungs kennen. Mit unterschiedlichen Herangehensweisen versuchen sie, neue Beziehungen zu knüpfen. Während die selbstbewusste und wilde Charlotte ziemlich schnell und ziemlich viel davon bekommt wonach sie sucht, versucht die rebellische Megan sich nicht zu verlieben und möchte einen Aufstand gegen die geringen Gehälter anzetteln. Die eher schüchterne und unsichere Aube versucht derweil vergeblich ihren Traumjungen zu erobern. Dabei wird die Freundschaft der Drei auf die Probe gestellt. Eine ruhige Kameraführung und passende Musik werten die sonst eher einfache Handlung auf. Der ganze Film ist in den Farben schwarz-weiß gehalten und lenkt die Aufmerksamkeit dadurch auf die gute schauspielerische Leistung und die unterhaltsamen Dialoge. Der Humor passt dabei zur lockeren und offenen Atmosphäre des Films. Die Handlung hat zwar keine Längen, ist aber leicht vorhersehbar. Die Charaktere der drei Freundinnen entwickeln sich zwar stark im Laufe des Films, jedoch sind die Jungs sehr einseitig dargestellt, meist selbstverliebt und pubertär. Nur einige Jungs werden etwas genauer charakterisiert. Insgesamt ist der Film ein klarer „Mädchenfilm“. Es wird nur aus der Perspektive der Mädchen erzählt. Die lustigen Dialoge haben mir dennoch gut gefallen.

 

Kai Stürtz, 15

Kammerspiel im Supermarkt

Drei Mädchen sitzen auf einem Spielplatz, kiffen, trinken und reden über Jungs. Der kanadische Spielfilm von Regisseurin Sophie Lorain CHARLOTTE HAT SPASS aus dem Jahr 2019 dauert 89 Minuten und handelt von Charlotte und ihren zwei besten Freundinnen Aube und Megane, deren Freizeit und vor allem von ihrem Job in einem großen Supermarkt. Hier arbeiten noch andere Jugendliche, deren Beziehungen zu den drei Freundinnen so unterhaltsam wie wechselhaft sind. Auf eine authentische Weise bringen die SchauspielerInnen die Liebesdramen der drei sehr unterschiedlichen Mädchen rüber: Charlottes Freund hat gerade Schluss gemacht, weil er schwul ist. Bei ihrer neuen Arbeit ist sie nun sehr offen und draufgängerisch, und geht mit fast allen Jungen ins Bett. Aube ist im Gegensatz dazu in Puncto Sex noch unsicher. Währenddessen beschäftigt sich Meghane, die Dritte im Bunde, eher damit, gegen den niedrigen Stundenlohn zu rebellieren. Nach und nach treiben die Beziehungen zu den Jungs einen Keil zwischen die Freundinnen –  doch dann schließen die Mädchen, die im Supermarkt arbeiten, einen Pakt! Die Dialoge im Film sind sehr natürlich, offen und lustig. Die Musik ist oft verträumt oder aber dramatisch und passt zum Schnitt. In einer lockeren und humorvollen Atmosphäre vermittelt der Schwarz-Weiß Film das Leben von Jugendlichen, die Spaß haben. Die Kameraführung ist klassisch und ästhetisch und gibt dem Film etwas Ruhiges. Das Happy End, bei dem sich alle versöhnen und ihre Liebe gefunden haben, passt sehr gut zu diesem insgesamt heiteren Film. Da der Film aus der subjektiven Sicht der Mädchen gezeigt wird, werden jedoch die Figuren der Jungs sehr einseitig dargestellt, denn sie werden nur in Bezug zu den Mädchenfiguren aufgeführt. Durch die kammerspielartige Inszenierung im Supermarkt, kommt die Atmosphäre des Films besonders zur Geltung. Der Film lohnt sich, denn er ist sehr authentisch und offen.

 

Cora Vormbusch, 15

 

Selbstbewusstsein in Schwarz-Weiß

Als Charlotte auf einer Betriebsfeier klar wird, dass sie mit fast allen männlichen Arbeitskollegen geschlafen und sich damit zum Gespött des Spielzeugladens gemacht hat, gerät sie in Panik.

CHARLOTTE HAT SPASS ist ein kanadischer Spielfilm aus dem Jahr 2018 von Sophie Lorain. Charlotte muss über eine Trennung hinwegkommen. Ihr Freund hat Schluss gemacht, weil er schwul ist. Um sich abzulenken, verbringt sie viel Zeit mit ihren Freundinnen Megane und Aube. Sie kiffen, trinken und gehen einkaufen, unter anderem in einem Spielzeugladen. Dort fallen ihnen die Angestellten auf: Viele junge, gutaussehende Männer. Schnell fassen sie den Beschluss, dort auch zu arbeiten. Charlotte bandelt schnell mit ihren Mitarbeitern an, während Megane überzeugt davon ist, sich niemals zu verlieben und Aube Probleme damit hat, mit dem Jungen, in den sie sich verguckt hat, ein Gespräch anzufangen. Das Problem hat Charlotte nicht. An Guillaume hat sie besonders gefallen gefunden, doch auf einer Feier kommt es zum Streit. Charlotte ist ein sympathischer Charakter und für eine Jugendliche sehr selbstbewusst dargestellt, was zur Abwechslung wirklich schön ist. Ebenso ihre Freundinnen Aube und Megane: Sie sind nicht durchgehend mit ihrer Kleidergröße oder sonstigen äußerlichen Makeln beschäftigt. Megane ist rebellisch, laut, teilt ihre Meinung mit, und ist nicht, wie sonst üblich, lesbisch. Die Klischees werden allerdings bei den Jungs ausgepackt. Diese sind durch die Darstellung aus der Perspektive der Mädchen recht einseitig. Die Dialoge weisen, trotz der Eindimensionalität der meisten männlichen Charaktere, Witz und Charme auf, welche ohne die tollen Schauspieler nicht so gut herauskämen. Diesen Charme vermittelt die Komödie auch über die Bilder. Alles ist in schwarz-weiß gehalten, die Kamera ist zurückhalten und objektiv. Auch wenn CHARLOTTE HAT SPASS durch die Erzählperspektive aus Sicht der Mädchen die meisten Jungs flach darstellt, hat der Film seinen Charme. Ist die Geschichte komplett innovativ? Nein, der Film bedient sich zwar einiger Klischees in seiner Erzählung, doch gerade der Umgang mit jugendlicher Sexualität ist ungewohnt offen und erfrischend, die Dialoge haben Witz und die Schauspieler harmonieren miteinander, spielen aber auch unabhängig voneinander hervorragend.

 

Elisabeth Felgenhauer, 16

Vorurteile, aus der einen Sicht ganz klar

Der 83-minütige Schwarz-Weiß-Film CHARLOTTE HAT SPASS von Sophie Lorain zeigt uns eine Geschichte über Freundschaft, Sexualität und Beziehungen. Der Spielfilm erzählt uns von den Protagonistinnen Charlotte und ihren zwei Freundinnen Aube und Megane, die gerade eine Beziehung hinter sich hat sucht mit ihren Freundinnen eine neue Beschäftigung. Dabei stoßen sie auf einen Einkaufsladen, indem recht viele gutaussehende Jungs arbeiten. Ohne zu zögern schreiben sie sich dort als Mitarbeiterinnen ein. Dieser Film ist eine klassische romantische Tragikomödie. Er bietet einen guten Unterhaltungswert, vor allem durch die lebhaft geschriebenen, humorvollen Dialoge. Das Schwarz-Weiß-Bild stört keineswegs und unterstreicht nur, in bestimmten Szenen, die Message gegen Vorurteile über Mädchen, weil man sich ganz der vielseitigen Charakterzeichnung widmen kann. Die Musik passt gut zur Handlung und betont immerzu die Emotionen die im Film ausgedrückt werden. Sie wird auch nicht nur als Hintergrund- oder musikalische Unterlegung gespielt, sondern es gibt auch Szenen wo und Bilder Synergien bilden. Die Kamera unterstützt dabei alles durch leichte und nicht hektische Bewegungen. Vor allem glänzt der Film durch seine natürlichen Handlungen und Dialoge der Protagonisten. Eine weitere Stärke des Films ist die Darstellung verschiedenen Charaktereigenschaften der drei Protagonisten. Leider sind aber die meisten Nebenfiguren eher einseitig geschrieben und darunter leiden am meisten die Jungs, die im Film vorkommen. Da der Film alleinig aus der Sicht der Mädchen erzählt wird, werden die Jungs meistens eher im schlechten Licht dargestellt. Als Nebenfiguren kommt eine vielschichtige Entwicklung zu kurz. Zudem war die Handlung an manchen Punkten recht vorhersehbar, da dieser Film anderen seines Genres von der Grundhandlung her sehr ähnelt. Zuletzt kommt es, nach der sehr gut erzählten Handlung, zu einem eher abrupten Ende, welches auch nicht nachvollziehbar ist, da es auf die zuvor begonnenen Handlungspunkte nicht mehr genau eingeht. CHARLOTTE HAT SPASS ist ein sehr unterhaltsamer Film der sich sehr mit den Vorurteilen von Mädchen und Jungs beschäftigt.

Robin Ehmann, 18

 

 

 

Filmkritiken zu GIANT LITTLE ONES
Offen und frei

Eine Nacht an einer kleinen Tankstelle in Kanada. Zwei ehemalige beste Freunde die sich einen erbitterten Kampf mit den Fäusten liefern. Der eine wird halb bewusstlos zurückgelassen. Dieser Junge ist der Protagonist Franky aus dem kanadischen Coming-of-Age Film „Giant Little Ones“ von Keith Behrman. Der Film behandelt die Geschichte der zwei Kindheitsfreunde Franky und Ballas, Stars an ihrer Schule und genauso erfolgreich in ihrem Schwimmteam wie in Sachen Mädchen. Dies alles ändert sich jedoch nach einem lebensverändernden Vorfall zwischen den beiden auf einer Party. Mit einer eindrucksvollen Ernsthaftigkeit aber dennoch mit einer Prise Humor behandelt der Film Themen wie Freundschaft, das Erwachsenwerden und vor allem Sexualität in einer nur vermeintlich toleranten Gesellschaft. Der Film spricht hierbei die richtigen Themen auf eine realistische und wenig klischeebelastete Art und Weise an, wie es nur wenige Filme mit der gleichen Thematik schaffen. Ebenso glaubwürdig wie die Handlung sind die Schauspieler und mit ihnen die Charaktere des Dramas. Im gesamten Laufe der Handlung bleibt der Film offen und frei in seiner Gestaltungsart, wie Dialogen und Bildern, die er inszeniert – und vermittelt so dem Zuschauer einen Eindrucks der inneren und äußeren Konflikte der Protagonisten. Besonders beeindruckend ist auch der Einsatz der Filmmusik und der Kamera, welche dem Film Bewegung und Schwung verleihen und dieser so niemals langweilig wird. Das offene Ende lässt viel Interpretationsraum. Zudem regt es dazu an, auch nach Ablauf des Abspanns die Thematik des Films nicht im Kinosaal zurückzulassen. Alles in Allem ist der Film in seiner Umsetzung sowie seiner Handlung gut gelungen und weicht auf erfolgreiche und positive Art und Weise von bekannten Klischees ab um die Themen Liebe, Sexualität und Freundschaft realistisch, facettenreich und ernsthaft zu behandeln.

 

Leoni Meier, 18

 

Auf dem Beat

In Zeitlupe fliegen die Slushies der beiden besten Freunde auf die geöffneten Scheiben der protzigen Autos zu, dann rennen sie. Der Spielfilm GIANT LITTLE ONES wurde 2018 in Kanada produziert und dauert 93 Minuten. Unter der Regie von Keith Behrman beschäftigt sich der Film mit Freundschaft, Liebe und Sexualität. Das Coming-of-Age Drama handelt von einem Jungen namens Franky, der mit seinem besten Kumpel Ballas seine Freizeit genießt. Bis zu dem Tag von Frankys 18. Geburtstag, an dem es zu einem klassischen Wendepunkt der Erzählung kommt. In der Nacht kommen sich die beiden Freunde im Bett näher, wobei der Film offenlässt, was genau zwischen den beiden passiert. In der Schule werden von Ballas Gerüchte verbreitet und Franky wird als schwul abgestempelt. Zwischen den ehemaligen besten Freunden klafft nun eine Wunde. Franky muss seine Gefühle sortieren und kommt dabei seinem Vater, der seine Mutter wegen eines Mannes verlassen hatte, und Natascha, einer ehemaligen guten Freundin, wieder näher. Der Film hat ein offenes und glückliches Ende. Das ungewöhnliche Ende lässt Raum für eine eigene Interpretation. Franky hat beschlossen, sich nicht entscheiden zu müssen, ob er schwul oder nicht schwul ist. Der Film zeigt die innere Reise eines Jugendlichen in puncto Sexualität, und dass man diesbezüglich einfach seinen Gefühlen folgen sollte – wo immer ihn das auch hinführt oder wie man es tituliert. Diese Offenheit ihrer Gefühle zeigen die Schauspieler auf eine ehrliche, authentische Weise dem gebannt zuschauenden Publikum. Dass die Charaktere des Films alle individuell und im Miteinander sehr vielschichtig sind, macht den Film noch interessanter und unvorhersehbarer. Wenn keine offenen, spontanen und sogar richtig lustigen Dialoge geführt werden, wird das Geschehen auf der Leinwand von rhythmischer Musik begleitet, welche die spannende Story untermalt. Ich kann diesen Film nur wärmstens empfehlen, denn er regt zum Nachdenken an und begeistert, und das macht schließlich einen guten Film aus.

 

Cora Vormbusch, 15

High School und das echte Leben

Ein Junge geht durch den Gang seiner Schule, dabei wird er von allen seinen Mitschülern nur noch komisch angeschaut. Der kanadische Spielfilm GIANT LITTLE ONES aus dem Jahre 2018, von Keith Behrman, handelt von Freundschaften, Beziehungen, aber auch von der eigenen Sexualität und von Meinungen anderer und dem Umgang mit den Mitmenschen. Der Protagonist Franky feiert seinen Geburtstag, welcher mit seinem besten Freund Balles im Bett endet. Sein Freund gesteht sich selbst die Handlung nicht ein und gibt dafür auf der Schule die Nachricht weiter, dass nur Franky homosexuell sei. Durch diesen Vorfall entfremden sich die Beiden und Frankys Freundin trennt sich von ihm. Auch sein Leben ändert sich von nun an, denn er muss sich mit dem gesellschaftlichen Druck seiner Mitschüler auseinandersetzen.

GIANT LITTLE ONES ist ein Coming-of-Age Drama, das die sexuelle Identitätsfindung und auch Homosexualität sehr positiv und sehr offen thematisiert. Die Figuren wirken sehr natürlich und gut geschrieben, sogar die Nebenfiguren habe ihre eigene Persönlichkeit und sind, trotz Ansiedlung der Geschichte im High School-Umfeld nicht klischeehaft dargestellt. Hervorheben muss man vor allem die Protagonisten Franky und seinen Freund Balles, die eine sehr gute Charakterentwicklung durchmachen, die man selbst als Zuschauer gut nachvollziehen und nachfühlen kann. Die Musik unterstreicht dabei sehr gut die gezeigten Stimmungen und Gefühle über Liebe und Freude, aber auch über Wut und Angst. Der Film selbst hat ein sehr wichtiges und schwierig darzustellendes Thema über die eigene Sexualität und über Homosexualität und Queerness in unserer Generation feinfühlig umgesetzt. Er zeigt viele verschiedene Auffassungen und Darstellungen, in dem er Beziehungen und Formen von Sexualität sowohl zu Hause, als auch im freundschaftlichen Umfeld thematisiert – was aber einem durch die guten und natürlichen Dialoge und Charaktere, auf einer guten und verständnisvollen Art nahegelegt wird. Das Ende im Film lässt Platz zur Interpretation. Insgesamt zeigt der Film eine wundervolle Geschichte über die neu entstandenen Gefühle eines Jungen und deren Einfluss auf sein Umfeld  und alltägliches Leben.

Robin Ehmann, 18

 

Filmkritiken zum KURZFILMPROGRAMM 3
FUCK LES GARS: Bund, froh, stocksauer

Eine Schülerin schmeißt ihr Sandwich durch die Cafeteria und trifft ihren Exfreund. Schnitt. Die Schülerin sitzt bekleckert vor der Tür des Direktors. Schnitt. Der Kurzfilm FUCK LES GARS – auf Deutsch „Scheiß auf die Jungs“ – handelt von einer Mittelstufenschülerin. Diese zeigt auf eine lustige Art und Weise immer wieder ihre eigene Meinung, wie z.B. ihrem Sportlehrer, der ihr sagt, sie solle im Sportunterricht bitte einen BH anziehen wie alle anderen auch. Aber sie ist nicht wie alle anderen. Sie sagt ihrem Sportlehrer, dass es niemanden etwas angeht und dass sie „auf die Jungs scheißt“. Diese kleine Rebellion hat zur Folge, dass sie am Ende des Tages – wie meistens – zum Direktor bestellt wird. Die oft ironischen Szenen werden von bunten, fröhlichen Farben untermalt und sind ausschließlich in der Schule gedreht. Das Mädchen möchte sich gegen Zwänge wehren und frei sein. Dabei werden Emotionen von Spaß bis Trauer gezeigt, und man kann als Zuschauer oft mitfühlen oder -lachen. Ich kann den Kurzfilm mit guter Laune weiter empfehlen, denn die Kameraführung und die Schauspieler tragen zu einem lebendigen Verständnis der Gefühle und Charaktere bei. Fuck Les Gars zeigt Ehrlichkeit und Wildheit von SchülerInnen, die ihr eigenes Ding durchziehen.

 

Cora Vormbusch, 15

 

Zusammengefasst: Das KURZFILMPROGRAMM 3

Das Kurzfilmprogramm 3, bestehend aus ausschließlich Spielfilmen, handelt von Problemen unterschiedlicher Jugendlicher und Kinder.

In FUCK LES GARS (dt. SCHEISS AUF DIE JUNGS; CA 2018; R:Anthony Coveney; 8 min.) geht es um Anais, die mit ihrer Art in der Schule immer wieder aneckt. Ihr Freund macht mit ihr Schluss, woraufhin sie einen Streit in der Cafeteria anzettelt. NOLAI TANBUR (dt. TANBUR WEINT; TJ 2018; R: Anisa Sabiri; 25 min.) erzählt von Hafiz, der mit seiner Schwester und Mutter auf die Rückkehr seines Vaters wartet. Dieser ist als Journalist an der Front und sollte bald zurückkehren. Hafiz kriegt die Auswirkungen des Bürgerkriegs auf Essen und die allgemeine Stimmung mit. IL PREZZO DEL BIGLIETTO (dt. DER FAHRSCHEIN; CH 2018; R: Mariama Balde; 18 min.) zeigt und die Welt von Gabriel, dem jungen Sprayer, der zu hause wegen seine Leidenschaft nur auf Unverständnis trifft. Als er sich eines nachts wieder einmal heraus schleicht, um mit seinen Freunden zu sprühen, erlebt er auf der Rückfahrt etwas, das er nie vergessen wird. In BRASIL X HOLANDA (dt. BRASILIEN GEGEN NIEDERLANDE; BR 2018; R: Caroline Biagi; 19 min.) sehen wir aus der Perspektive der jungen Marina die Vorbereitungen auf die Hochzeit ihrer Schwester. Im Fernsehen läuft währenddessen namensgebend das Fußballspiel Brasilien gegen Niederlande. In dem Gewusel von „Geh aus dem Bild!“ und „Wie findest du mein Haarteil“ macht Marina jedoch eine Entdeckung, die sie eine Weile beschäftigt.

Das Programm zeigt die Probleme der Kinder und Jugendlichen aus verschiedensten Ländern und Kulturen. Die einen kämpfen um ihr Essen, die anderen um ihr Recht, keinen BH tragen zu müssen, und wieder andere verarbeiten das, was sie mit ansehen mussten. Einfühlsam wird in allen Spielfilmen auf die Krisen der jungen ProtagonistInnen eingegangen, jeder Film hat seine eigene Aussage, Stimmung und Machart.

 

Elisabeth Felgenhauer, 16