IRON BOY, THEIR TOWN und A GIRL UNKNOWN als beste Filme beim 49. LUCAS-Filmfestival ausgezeichnet

Mit einer fei­er­li­chen Preisverleihung ende­te am Donnerstag, 1. Oktober, die 49. Ausgabe des vom DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum ver­an­stal­te­ten LUCAS-Filmfestivals. IRON BOY, THEIR TOWN und A GIRL UNKNOWN erhiel­ten die Auszeichnungen als bes­te Langfilme für jun­ges Publikum in ihren jewei­li­gen Sektionen. Im Wettbewerb »Teens« wur­de HIJRA mit dem Preis für eine außer­ge­wöhn­li­che cine­as­ti­sche Leistung geehrt. Die Preise für die bes­ten Kurzfilme gin­gen an TILL THE STARS RISE im Wettbewerb »Kids« und SANDY FANNIES im Wettbewerb »Teens«. Festivalleiterin Julia Fleißig beglück­wünsch­te die Preisträger*innen im Kino des DFF.

Wettbewerb »Kids«

Preis für den besten Kurzfilm (2.000 €)

Gestiftet von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
TILL THE STARS RISE (TW 2025. R: Yu Yu)
- Deutschlandpremiere bei LUCAS -

TILL THE STARS RISE – Kurzfilmprogramm 3 ©Thomas TANG | Quelle: DFF

Als ein Komet die Erde streift, gerät der Biorhythmus der Menschen aus den Fugen. Nur drei Stunden am Tag blei­ben, bevor sie ermü­det ein­schla­fen. Ein gemein­sa­mer Wunsch schenkt ihnen Kraft: Endlich die Sterne am Nachthimmel zu erblicken.

Begründung der Jury im Wettbewerb »Kids«
Wenn der Tag nur drei Stunden hät­te, wor­auf kommt es dann an? In dem Stop-Motion Animationsfilm TILL THE STARS RISE von Yu Yu erle­ben wir eine Welt ohne Angst, wo alle ein­an­der hel­fen, wo Menschen so viel Zeit wie mög­lich zusam­men ver­brin­gen, wo man sich auf das Wesentliche kon­zen­triert und ein­an­der ver­traut. Solidarität und Freundschaft ste­hen über allem, Pflichten wer­den zur Nebensache. In die­ser fan­ta­sie­vol­len, uto­pi­schen Welt sind alle – auch das Publikum will­kom­men. Diese uni­ver­sel­le Geschichte, die poe­tisch und zärt­lich erzählt ist, bringt alle Altersgruppen zum Nachdenken. Umrahmt von einer wun­der­schö­nen Filmmusik ent­führt uns die­ser Film in eine frem­de Welt und bleibt lan­ge im Kopf.

Lobende Erwähnung für den besten Langfilm

BRAVE CAT (CL 2026. R: Gabriel Osorio Vargas)

BRAVE CAT ©Punkrobot | Quelle: DFF

Vor lan­ger Zeit wur­de die Mutter von Wildkatze Kona von einem Zirkus ent­führt. Als die­ser Jahre spä­ter erneut im Wald auf­taucht, nimmt Kona die Verfolgung auf. Widerwillig nimmt sie den Wachhund-Welpen Colin mit, den der Zirkus zurück­ge­las­sen hat. Gemeinsam mit dem ent­flo­he­nen Bären Bernardo ver­su­chen sie, die Truppe recht­zei­tig ein­zu­ho­len, bevor sie an Bord eines Schiffes geht. Auf ihrer Reise muss Kona ihren Mut unter Beweis stel­len und über sich hin­aus­wach­sen, aber zugleich ler­nen, zu ver­trau­en und die Vergangenheit los­zu­las­sen. Der Film kom­bi­niert digi­ta­li­sier­te, hand­ge­fer­tig­te Modelle in bun­ter Filz-Optik mit 3D-Computeranimation. So erin­nert er an klas­si­sche Stop-Motion-Filme und ist doch ein zeit­ge­mä­ßes Animationsabenteuer.

Begründung der Jury im Wettbewerb »Kids«
Der Langfilm BRAVE CAT von Gabriel Osorio Vargas hat uns durch die detail­rei­che Mischung aus Stop-Motion und Animation sehr über­zeugt. Er greift wich­ti­ge Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt, Mut und die Überwindung von Vorurteilen auf. Die Geschichte von Kona, die ihre ent­führ­te Mutter sucht, ist gleich­zei­tig span­nend und emo­tio­nal. Besonders die mög­li­che Wirkung der Mischung aus süßen und erschre­cken­den Bildern beschäf­tig­te uns.

Preis für den besten Langfilm (5.000 €)

Gestiftet von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
IRON BOY (FR/BE 2026. R: Louis Clichy)

IRON BOY ©Neue Visionen Filmverleih | Quelle: DFF

Christophe kippt ein­fach um: beim Essen, in der Schule, in der Kirche, auf dem Traktor, wenn Fotos gemacht wer­den. Weil mit sei­nem Rücken etwas nicht in Ordnung ist, muss er von nun an ein eiser­nes Korsett tra­gen. Christophes Welt gerät aus der Balance. Als wür­de es nicht schon aus­rei­chen, dass er den Erwartungen sei­nes Vaters nicht gerecht wer­den kann! Doch dann ent­deckt Christophe das Orgelspielen für sich – was zu noch mehr Problemen führt, als immer deut­li­cher wird, dass der Bauernhof sei­ner Eltern in gro­ßen finan­zi­el­len Schwierigkeiten steckt. In luf­ti­gem Zeichenstil erzählt der Animationsfilm von einem Jungen, der zwi­schen den Erwartungen ande­rer und den eige­nen Träumen sei­nen Platz in der Welt fin­den muss.

Begründung der Jury im Wettbewerb »Kids«
IRON BOY von Louis Clichy erzählt die Geschichte von Christophe, der in den 1980er Jahren im länd­li­chen Frankreich auf­wächst und sei­nen Platz in einer Welt sucht, die ins Kippen gerät. Das Korsett, das ihm ange­legt wird, ist dabei mehr als nur eine medi­zi­ni­sche Notwendigkeit. Der in ein­zig­ar­ti­gem Aquarellstil gezeich­ne­te Animationsfilm, in dem gro­ße Bilder mit gro­ßer Zartheit in wun­der­schö­ne Farben gerahmt wer­den, erzählt, auch Dank des her­aus­ra­gen­den Drehbuchs, eine zutiefst berüh­ren­de Geschichte. Mit gran­dio­sem Sounddesign und wun­der­schö­ner Filmmusik erzählt der Film mit fei­nem Humor von viel­schich­ti­gen Figuren, von Beziehungen und Zusammenhalt, von der Kraft der Musik und davon, wie man Lebensstürmen trotzt.

Wettbewerb »Teens«

Preis für den besten Kurzfilm (2.000 €)

SANDY FANNIES (NO 2026. R: Ingrid Runde Saxegaard)
- Deutschlandpremiere bei LUCAS -

SANDY FANNIES – Kurzfilmprogramm 5 ©Kurzfilm Agentur Hamburg | Quelle: DFF

Aurora ver­bringt den Tag mit ihrer Mutter nackt an einem ein­sa­men Strand. Zwischen Ehrlichkeit und Peinlichkeit eröff­net die Auszeit inti­me Gespräche über Liebe und Sex, ers­te Male und tie­fe Begehren. Doch dann bringt ein Geständnis die Stimmung zum Kippen.

Begründung der Jury im Wettbewerb »Teens«
Der Kurzfilm hat uns alle tief berührt – durch die wun­der­schö­nen, tief­grün­di­gen Gespräche zwi­schen Mutter und Tochter und die unglaub­li­che schau­spie­le­ri­sche Leistung bei­der Darstellerinnen. Es war ein wun­der­schö­ner Film, in dem sie sich nicht nur kör­per­lich, son­dern auch inner­lich ent­blöß­ten, indem sie über ihre inti­men Geheimnisse und Erfahrungen spra­chen. Es war ein groß­ar­ti­ges Erlebnis, die­sen unglaub­li­chen Kurzfilm gemein­sam auf der gro­ßen Leinwand zu sehen. SANDY FANNIES hat den Preis für den bes­ten Kurzfilm auf­grund der wun­der­schö­nen Geschichte zwi­schen der Mutter und der Tochter defi­ni­tiv verdient.

Preis für eine außergewöhnliche cineastische Leistung (2.000 €)

Gestiftet vom Patrons Circle des DFF
HIJRA (EG/IQ/SA/GB 2025. R: Shahad Ameen)

HIJRA ©Shahad Ameen | Quelle: DFF

Sarah und Janna fah­ren mit ihrer Großmutter für den Haddsch, die isla­mi­sche Pilgerreise, nach Mekka. Als die jugend­li­che Sarah wäh­rend eines Zwischenstopps plötz­lich ver­schwin­det, beschließt die stren­ge Großmutter, dem Vater erst ein­mal nichts davon zu sagen. Stattdessen begibt sie sich allein mit der zwölf­jäh­ri­gen Janna auf die Suche nach ihrer älte­ren Enkelin. Der Zufall bringt die bei­den mit Ahmed zusam­men, der zu ihrem Fahrer und Begleiter wird. Ihre Reise führt sie durch die sau­di­sche Wüste Richtung Norden. Mit atem­be­rau­ben­den Bildern der schrof­fen Landschaft zeigt der Film unter­schied­li­che Perspektiven auf eine Gesellschaft, die Frauen stren­ge Regeln auf­er­legt, und lässt sei­ne Protagonistinnen auf der Suche nach Freiheit zwi­schen Akzeptanz, Widerstand und Flucht navigieren.

Begründung der Jury im Wettbewerb »Teens«
Dafür, dass er unse­re Herzen mit abso­lut atem­be­rau­ben­den Bildern von Landschaften ver­zau­bert, die das Gefühl des Publikums für die Spiritualität der Reise zutiefst unter­mau­ern; dafür, dass die Landschaften des Landes per­fekt mit den inne­ren Landschaften der Seelen der Figuren kor­re­spon­die­ren und so die Kameraführung zu einem unver­gess­li­chen Erlebnis und einem visu­el­len Triumph machen, der auf der gro­ßen Leinwand sei­ne vol­le Wirkung entfaltet …

Lobende Erwähnung für den besten Langfilm

ALMOST FOREVER (SE/FI 2026. R: Lia Hietala, Hannah Reinikainen)

ALMOST FOREVER ©Visionär Films | Quelle: DFF

Preis für den besten Langfilm (5.000 €)

THEIR TOWN (US 2026. R: Katie Aselton)

THEIR TOWN ©Visit Films | Quelle: DFF

Eigentlich ist Matt nur die Notlösung: Nachdem Abbys Freund plötz­lich nicht mehr neben ihr die Hauptrolle in einem Schultheaterstück spie­len will, wird der schüch­ter­ne Teenager unfrei­wil­li­ger­wei­se als Spielpartner für Abby nach­be­setzt. Aus einem kur­zen Treffen, wäh­rend dem sie eigent­lich nur ihre Texte durch­ge­hen woll­ten, wird eine lan­ge Nacht, die Abby und Matt quer durch die Stadt führt. Sie reden und reden: über die Vergangenheit, über die Zukunft, über Unsicherheiten, über Sehnsüchte. Ein wun­der­bar char­man­ter, gera­de­zu unver­schämt sym­pa­thi­scher Film über zwei jun­ge Menschen, die aus unter­schied­li­chen Milieus kom­men und in weni­gen Stunden ganz viel über­ein­an­der ler­nen und über sich preisgeben.

Begründung der Jury im Wettbewerb »Teens«
Dieser Film war wirk­lich bewe­gend und bot die per­fek­te Balance zwi­schen tief­grün­di­gen Gesprächen und lus­ti­gen Momenten, in denen Matt und Abigail sich näher­ka­men. Als Teenager*in fühl­te man sich auf so vie­len ver­schie­de­nen Ebenen ver­stan­den, und es war wun­der­schön, die­se ein­fa­che, aber auch sehr schö­ne und tief­grün­di­ge Geschichte auf der gro­ßen Leinwand zu sehen. Der Film hat per­fekt gezeigt, dass die Dinge nicht immer so sind, wie sie schei­nen, und dass jeder sei­ne eige­nen Kämpfe hat. Wir fan­den, dass THEIR TOWN den Preis für den Besten Langfilm gewin­nen soll­te, weil er her­aus­ra­gend war.

Wettbewerb »Youngsters«

LUCAS »Youngsters« Award (5.000 €)

A GIRL UNKNOWN (CN/FR 2026. R: Zou Jing)

A GIRL UNKNOWN ©Pyramide International | Quelle: DFF

Zou Jings Langfilmdebüt zeich­net über meh­re­re Jahre hin­weg die Kindheit und Jugend von Wang Juan nach, die schon früh von Pflegefamilie zu Pflegefamilie gereicht wird. Zuneigung erweist sich für sie nur als flüch­ti­ge Erfahrung. Was jedoch bleibt, ist der Wunsch, ein dau­er­haf­tes Zuhause zu fin­den. Bei ihren neu­es­ten Eltern in der Stadt bleibt die Geborgenheit aber wei­ter­hin aus. Trotzdem erlebt das Mädchen immer wie­der Momente, in denen sie das Gefühl hat, ange­kom­men zu sein. Dieses Empfinden wird ein­fühl­sam von der Kamera ein­ge­fan­gen und mit redu­zier­ter Musik von Valentin Hadjad unter­malt. Um der Ungewissheit und der wie­der­hol­ten Entwurzelung in ihrem Leben etwas ent­ge­gen­zu­set­zen, bleibt Wang Juan nur die Selbstbehauptung.

Begründung der Jury im Wettbewerb »Youngsters«
Jeder Film inner­halb des Wettbewerbs gewähr­te uns einen Einblick in unter­schied­li­che Lebenswelten, Kulturen und Erfahrungen. Doch einer von ihnen ist uns beson­ders in Erinnerung geblie­ben: Die Kameraführung, der Ton und die schau­spie­le­ri­schen Leistungen run­de­ten A GIRL UNKNOWN per­fekt ab. Zusammen mit einer star­ken Erzählung, in der ein jun­ger Mensch Schwierigkeiten durch­lebt, in denen sich vie­le von uns auf die eine oder ande­re Weise wie­der­erken­nen kön­nen, füg­te sich alles zu einem Ganzen zusammen.

Alle Sektionen

ECFA-Award

IRON BOY (FR/BE 2026. R: Gabriel Osorio Vargas)

Bridging the Borders Award

ILUMINADA (BE 2026. R: Nicolás Rincón Gille)
- Deutschlandpremiere bei LUCAS -

Publikumspreis

BRAVE CAT (CL 2026. R: Gabriel Osorio Vargas)